
Ein loser Folge befragen wir den Vorstand des Floorball Verbands Berlin-Brandenburg. Nach dem Präsidenten Tom Fenzl folgt nun Vize-Präsident und Schatzmeister Robert Retzlaff, der einen Einblick in seine Arbeit gibt und zu aktuellen Fragen Stellung bezieht.
Robert, als Schatzmeister im Vorstand hast Du Deine Hand auf den Finanzen. Aber nicht nur. Welche Arbeitsschwerpunkte fallen ebenfalls in deinen Bereich?
Robert Retzlaff: Neben allen Finanzthemen betreue ich auch die Themen Verträge, Personal, Fördermittel und die RSK.
Wie zufrieden bist Du mit der Organisation der Finanzen im Landesverband?
Robert Retzlaff: Mit der Organisation der Finanzen bin ich sehr zufrieden und wenn ich es nicht wäre, würde ich es sofort ändern.
Werfen wir einen kurzen Blick auf die Finanzen? Wieviele Mittel eines Jahresbudgets sind fest verteilt? Oder umgekehrt: Wieviel Mittel stehen für neue Projekte und Aufgaben bereit?
Robert Retzlaff: FloorballBB investiert jährlich ca. 5.000 Euro in neue Projekte. 2025 waren das zum Beispiel die eigenen Landesauswahlteams beziehungsweise deren Erstausstattung. 2026 planen wir einen dual Studierenden für Sportmanagement einzustellen.
Aufgrund der langfristigen Planung, die in den letzten Jahren durch den Vorstand fokussiert wurde, steigt das dazu verfügbare Budget in den kommenden Jahren an, sofern sich die weiteren Kosten moderat entwickeln.
Hältst Du die Ausstattung des Verbands für ausreichend oder gibt es Pläne, wie sich das Finanzpolster entwickeln lässt?
Robert Retzlaff: Nachdem das Final4 aufgrund nicht verfügbarer Hallenzeiten in der Max-Schmeling-Halle derzeit leider nicht in Berlin stattfinden kann, ist unser Finanzpolster von ca. 20.000 Euro solide und für das Risiko der derzeitigen Prozesse und Projekte ausreichend. Dieses Finanzpolster sollte allerdings je nach Entwicklung von FloorballBB regelmäßig neu bewertet werden.
Finanzen sind auch für alle Vereine ein Thema, was zum Beispiel die Brandenburger Vereine mit dem Thema „Hallenmieten an Spieltagen“ auf die Tagesordnung gebracht haben. Gibt es aus Deiner Sicht einen angemessenen Austausch zwischen den Vereinen und dem Verband, um Informationen bereitzustellen, gemeinsam Möglichkeiten auszuschöpfen, Standards zu entwickeln und vielleicht auch beim Thema Sponsorings stärker aktiv zu werden?
Robert Retzlaff: Ich denke, dass der derzeitige Austausch zu diesem Thema zu gering ist. Allerdings ist es auch sehr komplex, sodass es sich aus meiner Sicht nicht mit einem einfachen finanziellen Ausgleich an die betroffenen Vereine lösen lässt.
Derzeit sehe ich bei vielen Vereinen Schwierigkeiten, die mit in diesem Ausgleich fallen könnten. Die Tegel Tigers hatten zum Beispiel längere Zeit keinen Lagerplatz in der Sporthalle für deren Bande und daher je Spieltag allerhand zusätzliche Transportkosten. Die Frage ist daher, welche Kosten sollten ausgeglichen werden und welche Kosten sind den Vereinen zumutbar.
Was sind aus Deiner Sicht die wichtigsten Angebote des Verbands an seine Mitglieder?
Robert Retzlaff: Unser Spielbetrieb, die Weiterbildungen zum Beispiel als Schiedsrichtender und der beginnende leistungsorientierte Breitensport in unseren Landesauswahlteams.
Gibt es Baustellen, die Dir besonders unter den Nägeln brennen?
Robert Retzlaff: Mein Puls steigt definitiv alle drei Jahre, wenn es um die Prüfung unserer Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt geht, was 2026 wieder fällig ist. Ansonsten ist die Weiterentwicklung unseres immer enger werdenden Spielplans durch den wachsenden Spielbetrieb ein sehr wichtiges Thema mit Blick auf die kommende Saison. Ebenso der Zustand und die Verfügbarkeit von Sporthallen für unsere Vereine.
Und hast Du Herzensthemen, die Dich besonders reizen?
Robert Retzlaff: Wenn ich zu Siegerehrungen gehe, freue ich mich immer zu sehen, wie viel Spaß die Floorballspielenden und deren Familien an dem Sport haben. Dafür investiere ich gerne auch Zeit in Themen, die mir weniger Spaß machen.
Die dreimalige Ausrichtung des Final4 in Berlin war ja auch finanzseitig ein großes Projekt – und barg auch finanzielle Risiken? Könnte diese wichtige Floorball-Veranstaltungen, bei günstigen Terminen, künftig wieder in der Hauptstadt stattfinden, ohne dass der Verband zu große Risiken einginge?
Robert Retzlaff: Risiken können nur mit Kontrolle gemindert werden. Risiken müssen wir aber eingehen, wenn wir ein solches Event veranstalten wollen. Ein gutes Management dabei definitiv notwendig, um die finanziellen Risiken des Events für FloorballBB tragbar zu machen.
Du bist auch Nationalschiedsrichter und betreust vorstandsseitig die SBK. Bist Du zufrieden mit den Schiedsrichterwesen bei uns im Verband? Welche Verbesserungspotenziale sieht Du hier noch?
Robert Retzlaff: Mit der RSK von FloorballBB bin ich sehr zufrieden, denn wir sind beispielsweise der einzige Landesverband, der Schiedsrichtendenbeobachtungen durchführt, die übrigens ab 2027 zu einer Lizenzverlängerung ohne Kursteilnahme führen können.
Weiterhin ist mit nicht bekannt, dass ein anderer Landesverband über ein derart entwickeltes digitales Schiedsrichtendenvergütungssystem verfügt.
Was immer besser geht und woran wir immer arbeiten können, ist die Qualität unserer Schiedsrichtenleistungen, wobei uns zu diesem Thema seit Jahren keine Beschwerden zugetragen wurden.
Wie kommt es, dass wir in Berlin über 200 Schiri-Lizenzinhaber haben und dass in der Saison, gerade auch in dieser, dennoch immer wieder nach Schiris gesucht wird?
Robert Retzlaff:Der RSK ist bekannt, dass es trotz ausreichender Schiedsrichtendenkontingente je Team und ausreichend vorhandenen Schiedsrichtenden je Verein immer wieder zu Suchanfragen kommt.
Nach einer Analyse der RSK kommen diese Anfragen allerdings von mehreren verschiedenen Vereinen. Weiterhin ist es nicht bekannt, dass bisher ein Spiel ausfallen musste, weil sich schließlich kein Schiedsrichtender gefunden hat. Auch die Fahrtkosten für sog. externe Ansetzungen sind auf einem minimalen Niveau.
Um die Frage zu beantworten: ich gehe nicht von Einzelfällen aus, jedoch von einem aktuell gut zu verkraftenden Problem unseres Spielbetriebs.
Wenn Du einen sportlichen Wunsch frei hättest, welcher wäre das?
Robert Retzlaff: Mehr und besser ausgestattete Sporthallen für unseren Sport!


