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Von Goalies, die Tore werfen können – Regeländerungen ab Juli 2026

By 11/03/2026No Comments
Neue Regeln ab Sommer 2026
Neue Spielegeln ab Sommer 2026. Foto: Niklas Juli

Mit Spannung sieht die Floorball-Community dem neuen Regelwerk entgegen. Denn in der Regel erfolgen Regeländerungen in einem vierjährigen Zyklus, der an den Weltmeisterschafts-Rhythmus gekoppelt ist und auch in diesem Jahr wieder ansteht. Die Änderungen treten dann typischerweise zu Beginn einer neuen Saison, also diesen Sommern zur Saison 2026/27, in Kraft.

Das „IFF Rules of the Game Committee“ sammelt dazu laufend Regeländerungsvorschläge. Diese werden intern geprüft und diskutiert und anschließend dem „IFF Council“ zur Abstimmung vorgelegt. Verabschiedete Änderungen werden den nationalen Verbänden kommuniziert. Und nach einer Übergangsfrist treten die neuen Regeln in Kraft.

Die nationalen Verbände wie Floorball Deutschland übernehmen das neue IFF-Regelwerk und passen es gegebenenfalls an nationale Zusatzbestimmungen an, etwa am Ligaformate, Spielzeiten oder Jugendsonderregeln.

Aktuell ist das Regelwerk schon eher etwas spät dran. Immerhin gilt es, die Ausbilder für die Schiedsrichterprüfungen auf die neuer Regeln zu schulen, damit diese das Wissen sicher im Rahmen der Schiri-Kurse vermitteln können.

Die nächste Ausgabe der Floorball-Spielregeln wird dabei bereits ab dem 1. Juli 2026 gültig sein- Immerhin sind die wichtigsten Grundgedanken der Änderung veröffentlicht – und wir wollen sie hier aus dem Englischen ins Deutsche haben.

"Rules of the Game 2026 with all changes" vom 9. Februar 2026
„Rules of the Game 2026 with all changes“ vom 9. Februar 2026

Zudem gibt es hier, für alle Vorab-Interessierten, einen Link zum neuen Regelwerk auf Englisch mit der Kenntlichmachung aller Änderungen

Erläuterungen zum neuen Regelwerk vom IFF

Floorball ist eine globale und sich schnell entwickelnde Sportart, und es ist unerlässlich, dass die Regeln mit dieser Entwicklung Schritt halten. Regeländerungen sollten einen positiven und intensiven Floorball fördern, die Sicherheit der Spieler stärken, Unterbrechungen minimieren und das Spiel für alle Beteiligten attraktiver und verständlicher machen. Die Vision ist, dass die Regeln als fair, zugänglich und in der Lage wahrgenommen werden, die Interessen aller Beteiligten ausgewogen zu berücksichtigen.

Der Prozess begann Anfang 2024, als alle nationalen Verbände aufgefordert wurden, Regeländerungen vorzuschlagen. Eine Referenzgruppe, bestehend aus Vertretern des Regel- und Wettkampfkomitees (RACC), der Athletenkommission, Trainern und dem IFF-Büro sowie dem IFF-Regelkomitee, schlug dem IFF-Zentralvorstand dann vor, welche Vorschläge getestet, weiter analysiert und möglicherweise umgesetzt werden sollten.

Daraufhin analysierte der IFF-Regelausschuss die vorgeschlagenen Änderungen und entwarf einen neuen Regeltext. Nach einer Reihe von Sitzungen und Feedbackrunden nahm eine neue Ausgabe der Spielregeln Gestalt an. Die endgültige Entscheidung wurde am 11. Dezember 2025 vom IFF-Zentralvorstand getroffen.

Für diese Ausgabe wurden drei Schlüsselbereiche identifiziert, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen:

  • Sicherheit der Torhüter
  • Attraktivität und Intensität des Spiels
  • Die Marke Floorball und das Spielklima
  • Nachfolgend sind die wichtigsten Änderungen aufgeführt.

Sicherheit des Torwarts

Torhüter sind im Floorball besonders gefährdet, da sie auf den Knien spielen und physischen Kontakt mit Feldspielern in der Regel nicht vermeiden können. Es ist ein zunehmender Trend zu beobachten, dass Spieler mit hoher Geschwindigkeit auf das Tor zulaufen und dabei die Sicherheit des Torwarts missachten. Solche Zusammenstöße haben zu einer Zunahme von Verletzungen des Torwarts geführt, darunter auch Gehirnerschütterungen.

Drei Regeländerungen zielen darauf ab, Torhüter wirksamer zu schützen:

  • Ein Feldspieler muss sich in angemessener Weise bemühen, eine Kollision mit einem Torwart innerhalb des Torraums zu vermeiden; unterlässt er dies, stellt dies ein Vergehen dar.
  • Ein Feldspieler darf den Torraum nicht durchqueren, wodurch betont wird, dass dieser Bereich ausschließlich dem Torwart vorbehalten ist.
  • Ein Feldspieler darf sich nicht wiederholt auf den Torwart konzentrieren und ihm folgen, mit der alleinigen Absicht, ihm die Sicht zu versperren.

Attraktivität und Intensität des Spiels

Das Ziel dieser Änderungen ist es, ein temporeiches Spiel mit weniger Unterbrechungen zu fördern und Helden zu schaffen, die dem Sport positive Aufmerksamkeit verschaffen.

Halten

Das Halten ist eine der größten Herausforderungen im Floorball. Es behindert ein flüssiges Spiel, in dem kreative Spieler Raum haben, ihre Fähigkeiten zu demonstrieren, und verlangsamt gleichzeitig das Spiel. Die neue Regel klärt, was unter Halten zu verstehen ist. Diese Änderung erfordert eine Schulung der Schiedsrichter und eine konsequente Überwachung ihrer Umsetzung, um die beabsichtigte Wirkung auf das Spiel zu erzielen.

Penalty-Schießen

Das Penalty-Schießen beginnt [auf dem Großfeld] weiterhin mit fünf verschiedenen Spielern aus jeder Mannschaft, die die ersten fünf Penaltys schießen. Bleibt das Ergebnis jedoch unentschieden, kann jeder Spieler einen weiteren Elfmeter schießen. Diese Änderung soll das Elfmeterschießen spannender machen und für unvergessliche Momente und Helden nach dem Spiel sorgen.

Tore durch Torhüter

Im 3-gegen-3-Format dürfen Torhüter bereits Tore schießen. Dies gilt nun auch nach den neuen Regeln für 5-gegen-5-Floorball. Wenn ein Torhüter ein Tor schießt, ist dies ein seltener und spannender Moment, der das Interesse der Zuschauer und Medien gleichermaßen weckt.

Anstiftung und zufällige Strafen

Kleinere Auseinandersetzungen zwischen Spielern bei Spielunterbrechungen sind häufig und führen oft zu einer kleinen Strafe für jedes Team. Diese Situationen verlangsamen das Spiel aufgrund langwieriger Unterbrechungen und werden manchmal taktisch eingesetzt, wenn Teams lieber 4 gegen 4 spielen möchten. In der Schlussphase eines Spiels können solche Auseinandersetzungen auch strategisch genutzt werden, da ein 5-gegen-4-Spiel gegenüber einem 6-gegen-5-Spiel von Vorteil sein kann, wenn ein Team seinen Torwart vom Eis genommen hat.

Zwei Regeländerungen befassen sich mit diesem Problem:

  • Gleichzeitige Strafen haben keinen Einfluss mehr auf die Anzahl der Spieler auf dem Spielfeld.
  • Es wird eine Strafe für das Anstiften eingeführt, wodurch der Spieler, der die Auseinandersetzung ausgelöst hat, eine zusätzliche kleine Strafe riskiert.

Mit diesen Änderungen soll die Anzahl der Auseinandersetzungen während Spielunterbrechungen reduziert und damit die Intensität des Spiels aufrechterhalten werden.

Die Marke Floorball und das Spielklima

Die meisten großen Sportarten haben strenge Vorschriften für das Verhalten von Spielern und Mannschaftspersonal im Auswechselbereich. In Sportarten wie Fußball und Handball darf jeweils nur ein Mitglied des Mannschaftspersonals stehen, während alle Spieler sitzen bleiben müssen.

Im Floorball bringt die derzeitige Situation mehrere Herausforderungen mit sich. Stehende Spieler behindern die Sicht des Spielsekretariats, der Zuschauer und der Online-Zuschauer. Außerdem werden Spieler häufig vom Ball getroffen, wenn sie mit einem Fuß auf der Bande stehen, und das überfüllte Erscheinungsbild des Auswechselbereichs wird manchmal taktisch genutzt, um Gegner davon abzuhalten, den Ball in diesen Bereich zu spielen.

Diese Situation trägt auch zu einem Spielklima bei, in dem Spieler und Mannschaftsmitglieder in fast jede Situation und Schiedsrichterentscheidung involviert sind, was zu einer hektischen Atmosphäre führt. Während dies auf höchstem Niveau, wo Schiedsrichter und Spieler über die nötige Erfahrung und Selbstsicherheit verfügen, um damit umzugehen, noch zu bewältigen ist, stellt es in Jugendwettbewerben eine größere Herausforderung dar. Junge Schiedsrichter und Spieler profitieren nicht von einem Umfeld, in dem eine große Anzahl von Menschen ständig jeden Vorfall auf dem Spielfeld kommentiert.

Mit den neuen Regeln für das Verhalten von Spielern und Trainern im Auswechselbereich soll Floorball sowohl live als auch online attraktiver werden und gleichzeitig ein besseres Umfeld für die Entwicklung junger Spieler und Schiedsrichter geschaffen werden.

Keine neuen Regeln ohne die Mitarbeit vieler

Ich möchte den nationalen Verbänden und den Arbeitsgruppen für ihr Engagement während des gesamten Prozesses danken. Mit dieser neuen Ausgabe der Spielregeln glauben wir, dass wichtige Schritte in die richtige Richtung unternommen wurden. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass in Zukunft weitere Arbeit erforderlich sein wird, um die Regeln im besten Interesse des gesamten Sports weiterzuentwickeln, sagt Mattias Linell, Vorsitzender des IFF-Regelkomitees.

Derzeit wird die offizielle Veröffentlichung der neuen Spielregeln vorbereitet und daran gearbeitet, den nationalen Verbänden Schulungsmaterialien für Schiedsrichter aufzubereiten.

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